Knieprothese
Bei Patienten, die an einer Kniegelenksarthrose leiden, kann es im Verlauf der Krankheit notwendig werden die verschlissenen Gelenkflächen gegen eine künstliche Knieprothese zu ersetzen.
Die Knieprothese besteht aus zwei Anteilen, einem Oberschenkelanteil und einem Schienbeinanteil. Diese bestehen zum größten Teil aus Metall, wobei die Gelenkflächen aus hartem Kunststoff bestehen, der für die Gleitfähigkeit sorgt. In manchen Fällen ist es zusätzlich notwendig die Kniescheibengelenkfläche auszutauschen. Die Gelenkflächen können ungekoppelt, teilweise gekoppelt oder voll gekoppelt (Scharnierprothese) sein. Die ungekoppelten Knieprothesen erwiesen sich im Laufe der Zeit als die länger haltbaren, jedoch sind die gekoppelten Prothesen bei Kniegelenken mit instabilem Bandapparat immer noch das Mittel der Wahl. Mittels Knieprothese kann nicht nur die komplette Gelenkfläche ersetzt werden (Totalendoprothese), sondern man kann auch nur die äußere oder nur die innere Gelenkrolle (Kondyle) mittels sogenannter Schlittenprothese. Eine Knieprothese kann ohne und mit Knochenzement (schnell härtender Kunststoff) im Knochen verankert werden.
Die Indikation zur Knieprothese ist am häufigsten eine fortgeschrittene Kniegelenksarthrose (Gonarthrose). Der Zeitpunkt und die Notwendigkeit des Knieersatzes werden zusammen mit dem Patienten besprochen. Erhebliche Schmerzen, Bewegungseinschrenkung, extreme Achsenfehlstellungen und Versagen von konservativen und anderen operativen Therapien sind wichtige Faktoren bei der Indiaktionsstellung.
Da, die betroffenen Patienten nicht selten auch andere Allgemeinerkrankungen haben, kann das Risiko der Operation und der Narkose zu groß sein. Am häufigsten sind Krankheiten wie Bluthochdruck (arterielle Hypertonie), Herzschwäche (Herzinsuffiezienz) und Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), die man antrifft. Diese und andere Krankheiten sollten vor der Operation gut medikamentös eingestellt werden und das Risiko abgewogen werden.
Zur Operationsvorbereitung gehört außerdem, das Auslassen von Medikamenten wie Aspirin und Marcumar, wegen der Blutungsgefahr und das Medikament Metformin, welches bei Diabetes mellitus verabreicht wird. Da die Operation elektiv geplant wird, kann eine Eigenblutspende vor der Operation sinnvoll sein.
Die Operation dauert im Durchschnitt 90 bis 120 Minuten und wird entweder in Vollnarkose oder mit einer Spinalanästhesie (Rückenmarksbetäubung) durchgeführt. Nach der Narkoseeinleitung wird der Patient auf dem OP-Tisch gelagert und dem betroffenen Bein, mittels einer Blutdruckmanschette, die Blutzufuhr abgedrückt. Dann wird ein ca. 20 cm Schnitt von mittig über die Kniescheibe von oben nach unten angelegt und das Kniegelenk freipräpariert. Danach werden die Gelenkflächen in Form geschnitten und eine Probeprothese eingesetzt, auf diese Weise können Korrekturen vorgenommen werden. Zu diesem Zeitpunkt können zusätzlich Achsenfehlstellungen korrigiert werden. Falls man sich für die zementierte Variante entscheidet, wird nun das Zement angerührt und die Oberschenkel- und Schienbeinprothese nacheinander einzementiert. Zum Schluss werden (meist zwei) Drainagen eingelegt und die Haut geklammert.
In den meisten Fällen verläuft so eine Operation komplikationslos. Jedoch sollte der Patient stets über Komplikationen der Operation aufgeklärt werden. Gesprochen werden sollte über die recht seltenen Komplikationen wie großer Blutverlust bei Gefäßverletzungen, Lähmungen durch Nervdurchtrennung und Knochenbrüche (besonders bei Osteoporose). Vor allem aber gehören zum Aufklärungsgespräch die häufigen Komplikationen wie Blutergüsse, Wund- und Protheseninfektionen, Beinvenenthrombose mit der Gefahr einer Lungenembolie und eine Prothesenlockerung.
Nach der Operation wird bereits zwischen 1-3 Tage postoperativ mit der Mobilisation begonnen. Zunächst werden nur Bewegungen im Bett durchgeführt, dann aber auch das Stehen und Gehen mit Hilfe von Personal, Gehwagen und Unterarmgehstützen. Solange die vollständige Mobilisation nicht erreicht wird, sollten „Thrombosespritzen“ (Heparinspritzen) in das subkutane Bauchfett gespritzt werden. Am 3. postoperativen Tag werden die Drainagen und am 14. Tag die Klammern entfernt. Nach einer stationären Liegezeit von zwei- bis drei Wochen, sollte eine Rehabilitation in Form einer stationären oder ambulanten Anschlussheilbehandlung durchgeführt werden. Im Anschluss daran wird der gewünschte Erfolg der Operation bewertet und eine Röntgenkontrolle der Knieprothese durchgeführt. Nicht selten wird der volle Erfolg erst einige Monate später verzeichnet, sodass regelmäßige Kontrollen bis dahin durchgeführt werden sollten.
Der Patient, der eine Knieprothese trägt, sollte gewisse Regeln befolgen. Er sollte nicht schwerer als 20% seines Körpergewichts tragen und besonders sorgsam Stürzen vorbeugen. Das wichtigste ist jedoch ist die Geduld und Mitarbeit des Patienten bei der Verfolgung des Ziels der vollständigen Mobilisation.
Weitere Informationen erhalten Sie unter: Knieprothese
Gute Besserung wünschen
Dr. Nicolas Gumpert (Orthopaedicum Frankfurt) und Dr. Marc Jungermann
