Paruresis – Lappalie oder soziale Phobie?
Die meisten Menschen begegnen einem mit Staunen, wenn man davon berichtet, an Paruresis zu leiden. Das Unverständnis verwandelt sich spätestens dann in ein ungläubiges Grinsen, wenn der Betroffene erklärt, um was es sich bei diesem Phänomen eigentlich handelt: Paruresis bezeichnet die Unfähigkeit im Beisein anderer zu urinieren.
So seltsam das anmuten mag – für den Betroffenen ist es kein Witz. Die Auswirkungen auf das Selbstbild und die sozialen Kontakte sind oft fatal. Männliche Paruretiker schämen sich so dafür, die Kabine aufsuchen zu müssen, dass Sie sich selbst in der Kabine nicht mehr erleichtern können. Die Scham sitzt so tief, dass Betroffene oft vortäuschen, uriniert zu haben, indem Sie nach einer bestimmten Zeit die Spülung betätigen und hoffen, dass niemand das Fehlen des typischen Plätschergeräusches registriert hat.
Paruretiker bauen mit ihren Annahmen und Gedanken auf einem paranoiden Weltbild auf. Paranoid ist es in dem Sinne, weil sie glauben, jeder Mensch würde sie mit Argusaugen betrachten. Viele Betroffene sind felsenfest davon überzeugt, dass sie beim Toilettengang von den anderen analysiert und bewertet werden. Das geht so weit, dass Männer ihre Maskulinität davon abhängig machen, ob sie am Pissoir urinieren können. Dieser Glaubenssatz wird immer mehr gefestigt, bis die Betroffenen sich als unterlegen und weniger wertvoll betrachten.
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