Sonstige

Hanf ist ein vielseitiger nachwachsender Rohstoff

Die einjährige Pflanze Hanf ist ein vielseitiger und zunehmend erfolgreicher nachwachsender Rohstoff. Am bekanntesten dürfte Cannabis sativa (so der botanische Name) als Faserpflanze sein, die eine sehr reißfeste Naturfaser liefert, die z.B. für die Herstellung von Naturtextilien genutzt wird. Sehr viel weniger bekannt ist, dass bei der Gewinnung der Faser die so genannten Hanfschäben als Sekundärrohstoff anfallen. Aus den Schäben wird eine hochwertige und quasi nicht staubende Tiereinstreu, die auch für sensible Rennpferde mit akuter Neigung zur Allergie gern verwendet wird. Darüber hinaus ist kaum bekannt, dass der Hanf auch zur Ernährung angebaut werden kann. Hanfsamen sind sehr reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren (MUFS), so dass diese eine wertvolle Ergänzung für jeden gesunden Speiseplan sind. Aus den Hanfnüssen kann ein gesundes Pflanzenöl gepresst werden. Das Öl ist wie erwähnt auch reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, den MUFS. Hanföl ist heute oft als Hausmittel gegen Neurodermitis ein Begriff. Aufgrund des sehr guten Fettsäureprofils wird Hanföl zunehmend auch von der Kosmetikindustrie nachgefragt. Die Blüten des Hanfs lassen sich auch wirtschaftlich nutzen. Aus diesen kann ein stark riechendes ätherisches Öl gewonnen werden, das ebenfalls von der Kosmetikindustrie nachgefragt wird. Aus THC-armen Pflanzen werden auch Blüten für die Herstellung von Tees geerntet (THC ist der Haschischwirkstoff). Diese gibt es in der letzten Zeit verstärkt auch in Reformhäusern. Teilweise werden die Blüten auch Tees beigemischt, denen eine kaum nachprüfbare aphrodisierende Wirkung zugesprochen wird. Hierbei handelt es sich wohl eher um Marketing als um Produktqualität. Auf jeden Fall kann konstatiert werden, dass der Hanf ein nachwachsender Rohstoff mit einem großen Potential ist. Das gilt umso mehr, als in den letzten Jahren die Preise für mehr oder weniger alle Rohstoffarten gestiegen sind. Das gilt auch für die Gruppe der Agrarrohstoffe, zu denen auch der Hanf zu zählen ist. Der Grund für die steigenden Preise ist in einer starken Nachfrage aus Schwellenländern wie China und Indien zu suchen. Die steigenden Preise für Rohstoffe wie den Hanf machen diesen für die Landwirtschaft interessanter, weil für die Ernte mehr Geld erlöst werden kann als in früheren Jahren. Neben dem Hanf gibt es weitere Rohstoffpflanzen, die sich in den letzten Jahren einer zunehmenden Beliebtheit erfreuen. Hierzu zählen auch das Holz, Miscanthus, Raps und Mais. Holz spielt dabei traditionell die wichtigste Rolle, die durch Pelletheizöfen weiter steigt. Miscanthus ist eine schnell wachsende Pflanze, genau gesagt ein Gras, welches ebenfalls vor allem zur thermischen Nutzung angebaut wird. Aber auch die stoffliche Nutzung (Dämmstoffe, Einstreu) ist möglich.

Der Energie- und Rohstoffhunger von Staaten wie China wird das Interesse an nachwachsenden Rohstoffen in den nächsten Jahren weiter steigern. Das gilt umso mehr, weil der Ölpreis keinerlei Anstalten machen von seinem Wachstumspfad zurückzukehren. Aus diesem Grund wächst auch das Interesse der Automobilindustrie an schnell wachsenden Pflanzen, die in der Lage sind in kurzer Zeit viel Biomasse zu generieren, aus der man neuartige Treibstoffe produzieren kann, die dereinst das Benzin im Tank ersetzen können. Von dieser Entwicklung kann insbesondere die Landwirtschaft in den kommenden Jahren stark profitieren. Dem Hanf wird dabei eine wichtige Rolle zukommen. Aber auch dem Holz und dem Elefantengras Miscanthus stehen erfolgreiche Karrieren bevor.

 
Klaus-Martin Meyer (Unternehmensberatung consulting4food.de)